Ruessel an Schwanz

By evisblog

22. Juli

Die Zivilisation hat mich wieder! Nach 2 Stunden mit grauen Riesen durch den Dschungel, einer halben Stunde strammen Fussmarsch, einer einstuendigen Motorbootfahrt und einer 20 minuetigen Fahrt auf dem Lader eines Truck sind wir heute alle wieder wohlbehalten in Chiang Rai in den Genuss einer Klimaanlage und einer warmen Dusche gekommen. Auch der Kontakt zur Aussenwelt ist wieder moeglich wie ihr seht.

Und ich habe definitiv neue Lieblingstiere – Elefanten! Als ich heute morgen nach einer diesmal sehr ruhigen Nacht ein freudiges Gepruste in Flussnaehe hoerte, war ich sofort wach und sprang von meiner Bambusmatte nach draussen! Der erste Elefant war in unserem Lager angekommen. Sein Mahud (keine Ahnung wie man es schreibt) badete ihn grade im Fluss vor unsere Essenshuette. Und er genoss es sichtlich.

Seit diesem Augenblick konnte ich meine Augen nicht mehr von den grauen Riesen wenden, die nach und nach ins Dorf trotteten, gebadet wurden und dann mit Matten und Sitzkoerben bestueckt wurden. Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so schnell gepackt und mich fertig gemacht, um wieder raus zu den Elefanten zu kommen.

Fruehstuecken konnten wir aber trotzdem in Ruhe, da wir von unserem Tisch aus, quasi Plaetze in der ersten Reihe hatten. Es kamen sechs Elefanten und ihre Mahuds. Pro Elefant also laut Adam Riese 2 Personen. Tui und unsere Dschungelguides mussten leider laufen… das hatte sie mir schon am Tag vorher gesagt. Und natuerlich durften wir uns auch unseren Elefanten raussuchen.

Sarah – mein Elephantbuddie fuer diesen Tag – und ich entschieden und fuer den groessten Bullen, der als erster ins Dorf getrottet war. Sein Name war Bunschu – der Unterstuetzer. Und natuerlich haben wir ihn sofort mit zwei Buendeln Bananen bestochen. Es ist schon seltsam zwischen 6 grossen (auch wenn thailandische Elfanten zum Vergleich zu afrikanischen Elefanten noch recht klein sind), tonnenschweren Leibern zu stehen, die dennoch so ruhig und zahm sind, dass sie einem alle Angst, aber nicht den Respekt nehmen. So habe ich auch immer schoen mit ihnen gesprochen als ich mich an ihnen vorbei zur Toilettenduschbaracke schlich.

Endlich war es so weit… wir durften aufsitzen. Das Haupthaus des Camps wurde extra auf Elefantenhoehe gebaut, dass heisst es war so hoch auf Stelzen, dass man vom Zimmerboden aus bequem auf den Ruecken des Elefanten steigen konnte. Als die Ruecksaecke unter der Sitzbank verstaut waren, schlichen wir alle also vorsichtig barfuss ueber den Kopf auf den Tragekorb. Die Hoehe jagt einem schon Respekt ein. Und doch ist da wieder das Vertrauen in den Dickhaeuter unter einem, dass er einen schon nicht runterfallen laesst ;)

Nun was soll ich sagen? Da wir den groessten Elefante hatten, waren wir natuerlich auch an der Spitze der Karawane… und es war herrlich… das Geschaukele war eher beruhigend, nur die steilen Bergpfade, die nicht breiter als die Pfade, die wir selbst nur mit Problemen hochgewandert sind, waren dann doch etwas beunruhigend… nicht aber fuer Bunschu… mit einer seelenruhe setzte er einen Fuss vor den anderen, egal ob Stein, Schlamm, Flussbett, Reisfeld oder Matschhang…. nebenher noch einen Snack hier… einen Snack dort… insbesondere die Bambussprossen hatten es Bunschu angetan…

Nun und scheinbar hatten diese es auch unserem Mahud angetan… denn er sprang nach 20 Minuten vom Nacken des Dickhaeuters herunter und schlug sich selbst einen Bambusstamm mit der Machete ab… wir waren also alleine auf unserem hohen Thron. Dee, der Mahud, rief nur… ihr koennt auch auf den Nacken rutschen und Sarah folgte diesem Ruf sofort, waehrend ich noch etwas skeptisch war… mit einem „Dui“, was wir uns bei den anderen Mahuds abguckten, forderten wir den grauen riesen Zwischendurch auf, weiterzulaufen, wenn er mal wieder in die Buesche fuer Futter abdriftete und ich muss sagen, es klappte wirklich gut…

Schliesslich tauschten Sarah und ich dann doch die Plaetze, was eine recht wackelige angelegenheit war, doch ich schaffte es bis zum Nacken und drueckte meine Beine fest gegen die rauhe, ledrige Elefantenhaut, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Waehrend es vorher immer bergaufgegangen war, ging es nun natuerlich steil bergab… ich hatte solche angst, da es nicht wirklich viele Moeglichkeiten gibt, sich festzuhalten, auf so einem Elefanten… doch schliesslich lernte ich auch hier zu vertrauen… Bunschu hielt seinen Kopf so hoch, dass ich nicht runterrutschen konnte und wieder setzte er seine Riesenfuesse so sicher und vorsichtig, dass ich mich langsam entspannte, trotz des Blicks in den Abgrund…

Dennoch war ich froh, wieder auf dem Sessel zu sitzen… unser Mahud hatte mittlerweile die Zeit (ca. eine Stunde) auf dem Boden genutzt um uns eine Sicherheitsstange fuer den Korb zu schnitzen, die er uns stolz ueberreichte… so marschierten wir in der Karawane Ruessel an Schwanz, weiter durch den tiefen Dschungel, durch weite Reisfelder und die Berglandschaft Thailands… es war eine sagenhafte Erfahrung…

Auch wenn meine Beine beim Absitzen zitterten, waere ich doch gerne noch ein wenig weiter auf diese Art und Weise gereist… auch der Abschied mit Tonnen von Bananen von Bunschu viel mir schwer…

Ohne unsere Unterstuetzer liefen wir noch gute 30 Minuten bis zum naechsten Dorf, wo neben einer riesenanaconda, die dutzende Kilos schwer war und mit der man fuer 100 Baht fuer ein Foto posen konnte, unser Mittagessen am Fluss auf uns wartete…

Und es war noch kein voelliger Abschied von den Dickhaeutern, da sich direkt neben dem Restaurant ein weiteres Elfantencamp befand… schliesslich liessen wir sie dann doch hinter uns und setzten unseren Weg eine Stunde per Flachmotorboot fort… die Aussicht am Fluss war unbeschreiblich…

Dumm war nur, dass ich waehrend der Fahrt fast meine Kamera fuer immer verloren haette, da sie aus meiner Tasche in den Fluss rutschte… ehergesagt zwischen Boot und untergrund, was mein Glueck war…. mit grosser Muehe konnten wir sie so noch retten… Ich habe den Schreck aber mittlerweile verarbeitet :)

Nach einer weiteren 20 minuetigen Fahrt auf einem offenen Truck, hatte Chiang Rai und das Golden Triangle Guesthouse uns schliesslich wieder…

Nun wissen wir den comfort des Hauses umso mehr zu schaetzen…

Und natuerlich auch den des shoppens. Vier Maedels, zwei riesige Laeden voll Schuhe… da blueht einem einem das Herz auf… wenn man sich dann noch schoen fuers abendessen stylen kann, bleiben keine Wuensche offen.

Nur sollte man seine Malariapillen nicht auf nuechternen Magen nehmen. Das habe ich an diesem Tag gelernt. Trotzdem konnte ich das gemeinsame abendessen bei sanfter Livemusik noch geniessen. Diesmal sind wir alle ins „Cabbage und Condom“ gegangen… ein Restaurant, dass eng mit der sexuellen Aufklaerungsarbeit in den Hilltribestaemmen verknuepft ist.. so konnte man dort auch kostenlos Kondome mitnehmen – in Thai und in internationaler Groesse… natuerlich war die Box mit den Kondomen in „internationaler“ Groesse schon leer.  Was uns das wohl sagen will? Aber welcher mann moechte schon zugeben, dass er eine „thaigroesse“ braucht?

Natuerlich liessen wir auch diesen Abend in der Teepeebar ausklingen… diesmal aber ohne Deutsche, dafuer mit Jenga und Kartenspielen… (obwohl Karten hier ja offiziell wegen „Gamblinggefahr“ verboten und nicht erhaeltlich sind…. jaja so ist das…)

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